2019 – 31.08. bis 07.09.

31.08.2019

Erneut scheint die Sonne und Karlskrona empfängt uns mit schönstem Wetter. Heute ist wieder Crewwechsel. Nach dem Frühstück heißt es zunächst einmal Abschied nehmen, anschließend folgt das klar Schiff und die Vorbereitung der Yacht für die nächste Etappe.

Am späten Nachmittag ist die neue Crew komplett. Eine kurze Ersteinweisung in die Yacht und die Gegebenheiten vor Ort und anschließend folgt ein kleiner Ausflug in das Abendprogramm von Karlskrona…

01.09.2019

In der Nacht hat der Wind kräftig zugenommen und etwas Unruhe in das Boot und die Crew gebracht. Unser Liegeplatz war dennoch sicher und so haben wir am Morgen ein gutes Frühstück genossen. Anschließend erfolgt die Sicherheitseinweisung sowie der Check des Wetters. Wir entscheiden uns auf Grund des Windes für ein Auslaufen gegen Mittag.

Um 11.45 Uhr legen wir ab. Wir passieren den Hafen Karlskrona sowie das Marinemuseum und setzen Segel. Der Wind weht noch frisch aus Süd und wir kreuzen auf Richtung Süden. Eine Stunde später hat sich der Himmel bezogen und wir hören lautes Grummeln am Horizont. Eine kurze Umfrage unter der Crew führt zu der Entscheidung, das oder die Gewitter lieber im Hafen als auf See abzuwettern. So ändern wir den Kurs und laufen den kleinen Hafen Lökanabben an. Um 13.15 Uhr sind wir fest. Die ersten Gewitter sind vorbei gezogen, jedoch sind weitere Gewitter und Regenschauer in Sicht. Wir erkunden den kleinen Hafen und besichtigen später die alte Festung, welche auf der Westseite der Haupteinfahrt für Karlskronas Verteidigung gesorgt hat.

Den Rest des Tages nutzen wir für ein Bad im Meer, ein nettes Abendessen an Bord und Smalltalk unter historischer Kulisse…

02.09.2019

Der gestrige Blick auf das Wetter und die Prognosen sehen nicht günstig für uns aus. Wir prüfen verschiedenste Szenarien und entscheiden uns letztlich für die Strategie – West machen. Das bedeutet für uns, soviel wie möglich Richtung Westen voran zu kommen, um spätere Wetterfenster für die Überfahrt nach Rügen zu nutzen. Der Plan für heute lautet: Frühes aufstehen (05.00 Uhr) und Kurs Simrishamn vor dem aufziehenden Wetter.

Um 06.45 Uhr sind wir unterwegs. Die Segel sind gesetzt und wir gehen auf Kurs. Die Windrichtung passt uns nicht so richtig, da wir Simrishamn nicht direkt anliegen können. Zwei Stunden später sind wir frei von jeder Abdeckung und die Crew beginnt zu verstehen, warum die Hanöbucht auch als die Biscaya des kleinen Mannes betitelt wird…

Stunden später entscheiden wir uns dann, über eine Wende wieder Richtung schwedische Küste zu laufen. Unterhalb der Küste kreuzen wir jetzt Richtung Westen und setzen irgendwann das dritte Reff im Groß, um überhaupt Am-Wind weiter segeln zu können. Murphy ist mit an Bord und unser drittes Reff steigt aus. Wir binden das Reff per Hand und Zeisinge wieder ein und segeln weiter. Die Insel Hanö passieren wir an Backbord durch den Hanösund, der Südwestwind steht auf den kleinen Hafen und wir segeln weiter. Gemäß unserer Strategie wollen wir noch weiter westlich.

Um 18.30 Uhr sind wir in Sölvesborg fest. 30 Seemeilen südlich liegt Simrishamn, voraussichtlich unser nächstes Ziel in Richtung Rügen…

Am Abend checken wir erneut das Wetter und entscheiden uns für ein spätes, morgiges Auslaufen aus Sölvesborg in Richtung Süden. Tagsüber geht viel Wind durch die Hanöbucht aus Südwest, der zum Abend hin abnehmen und auf West drehen soll. Das wollen wir morgen nutzen…

03.09.2019

Frühstück an Bord, Plausch mit dem Hafenmeister und Auffüllen unserer Vorräte für die kommenden Tage. Das Wetter ist wie angekündigt und der Himmel Richtung Süden ist selbsterklärend…

Inzwischen repariert der Skipper das dritte Reff und wir genießen die verbleibende Zeit für einen Ausflug in Sölvesborg und Umgebung…

Gegen Mittag fällt die Entscheidung, wir laufen zum Abend aus und nutzen das Wetter der Nacht, um weiter voran zu kommen. Am Abend checken wir noch einmal das Wetter und legen um 20.00 Uhr ab. Unter Motor tasten wir uns durch die 5 Seemeilen lange Ausfahrt in die Hanöbucht. Dort setzen wir die Segel und gehen auf Südkurs Richtung Simrishamn.

Um Mitternacht lautet unsere Position: 55°45,4‘ N 014°30,0‘ E.

04.09.2019

Gegen 02.00 Uhr morgens passieren wir die Anfahrt von Simrishamn. Wir segeln weiter, sind in der Abdeckung der Küste und  irgendwann gegen Morgen ist der Wind soweit abgeflaut, das wir den Motor wieder einsetzen.

Wir passieren die Südostspitze Schwedens mit dem Leuchtfeuer Sandhammaren und setzen Kurs auf Ystad ab. Um 08.30 Uhr sind wir fest. Check in beim Hafenmeister, Anleger ganz traditionsgemäß und noch ein kleines Frühstück, dann ist erst einmal Freizeit an Bord und in Ystad…

05.09.2019

Hafentag in Ystad. Wir frühstücken und gehen anschließend auf Entdeckungstour durch Ystad…

06.09.2019

Der gestrige Wettercheck lässt uns früh aufstehen. Um 05.30 Uhr gibt es Frühstück. Anschließend machen wir klar Schiff und laufen aus. Es ist 06.30 Uhr, der Wind weht zunächst noch aus West mit 4 bis 5 Windstärken. Er soll später auf Südwest gehen, etwas zunehmen und am späten Nachmittag dann wieder abnehmen. Wir setzen die Segel und gehen auf Kurs. Als wir aus der Abdeckung kommen, begrüßt uns noch eine gute Welle vom Vortag und der auffrischende Wind sorgt dafür, dass unser Am-Wind-Kurs gut kombiniert mit Seegang gesegelt wird.

Der Winddreher auf Südwest führt dazu, dass wir unser Segelziel, den Libben vor Hiddensee nicht direkt anliegen können und ab Arkona auf einen Kreuzkurs gehen müssen. Wir brechen die Kreuz kurze Zeit später ab, gehen mit Motor unter Land und folgen der Küste Richtung Tonnen Hiddensee. Um 18.50 Uhr passieren wir die Tonne Hiddensee einlaufend und folgen dem Fahrwasser Richtung Rassowstrom.

Wir können noch einmal Segel setzen und geniessen die letzten Meilen ohne störendes Motorgeräusch. Erst kurz vor Wiek bergen wir die Segel und machen die Nachtansteuerung auf den Hafen Wiek. Um 21.00 Uhr sind wir fest. Die letzte Etappe der Rund Ostseereise ist erfolgreich beendet. Der Anleger schmeckt und das Abendessen an Bord fällt natürlich nicht aus…

07.09.2019

Das letzte gemeinsame Frühstück an Bord wird noch einmal mit frischen Bäckerbrötchen garniert. Dann heißt es Abschied nehmen, von der Crew und später dann auch von der Yacht.

Ich nutze den Vormittag noch einmal, um klar Schiff zu machen und die Ausrüstung zu sichten und zu verpacken.

Am frühen Nachmittag verabschiede ich mich von der SY „Phantasie“. Wir waren 15 Wochen unterwegs auf unserer bezaubernden Ostsee, haben Land und Leute kennengelernt oder wieder gesehen und Freundschaft aufgebaut und ausgebaut. Unser Segelabschnitt nach Russland ist ebenfalls mit vielen positiven Erinnerungen im Gedächtnis haften geblieben und so kann das Resümee dieser Reise kurz zusammen gefasst werden. Diese Segelreise hat Wiederholungscharakter…

Wir waren insgesamt 3560,5 Seemeilen unterwegs und konnten trotz teilweise spannender Wetterlagen über 50 % der Distanz (1814 Seemeilen) segelnd zurücklegen. Unser Wetter war geprägt von Nördlichen Windrichtungen auf dem Weg nach Norden und südlichen Windrichtungen auf dem Weg nach Süden. Es gab Schwachwindphasen, wo nur der Motoreinsatz übrig blieb. Wir hatten fünf Tage, wo wir mit dichtem Nebel auf See konfrontiert wurden, wo ebenfalls der Motor und das Radar das große Thema der Sicherheit gewesen sind. Schwere Gewitter haben unseren Weg zu Beginn unserer Reise begleitet, jedoch kann insgesamt die Mehrheit der Tage der Jahreszeit Sommer zugeordnet werden. Insbesondere das Balticum,  Russland sowie unsere Segelreise zum Norden unserer Ostsee waren mit sommerlichen Temperaturen, Badewetter und viel Sonnenschein geprägt. Dem geschuldet, fallen dann natürlich die anderen Extreme scheinbar mehr ins Gewicht der Bewertung.

Ein schöner Segelsommer ist zu Ende, lässt aber bereits jetzt schon die Lust wachsen, im kommenden Jahr erneut auf unserer Ostsee mit den Erfahrungen der vergangenen Törns neue Wege, Horizonte und Menschen an unserer Ostsee kennen zu lernen und alte Freundschaften zu pflegen, indem wir einfach wiederkommen, wenn im Mai 2020 die Sonne wieder höher steht und die neue Segelsaison beginnt…