Logbuch 25.07.-01.08.2020

25.07.2020       Turku nach Airisto                     17,5 sm

Heute ist wieder eine neue Crew an Bord. Den Vormittag nutze ich noch einmal für das Klar Schiff, mache noch ein wenig Bürokram und ärgere mich wieder einmal über stornierte Flüge ohne Alternativangebote und Ausweichmöglichkeiten. Wenn so der Service der Zukunft aussieht, dann ist es wohl besser, in Zukunft Urlaub auf Balkonien zu machen…

Am Mittag ist die neue Crew an Bord. Wir checken ein und es folgt die erste Einweisung in die Yacht. Danach wird der Supermarkt besucht, um für einige Tage die Verpflegung zu organisieren.

Das geht in Turku sehr gut, da der Supermarkt direkt gegenüber dem Gasthafen ist und die kleine Fähre ununterbrochen zur anderen Seite fährt. Um 14.00 Uhr ist alles erledigt. Selbst die Sicherheitseinweisung hat stattgefunden.

Wir legen ab und fahren noch einmal zu einer anderen Marina, wo wir den Dieseltank befüllen. Danach verabschieden wir uns endgültig von Turku.

Nachdem wir das Turkufahrwasser verlassen haben, setzen wir die Segel und gehen auf südlichen Kurs. Der Wind weht schwach bis mäßig aus West und bringt uns gut voran, zumal in den Wolken ein wenig zusätzliches Windpotential enthalten ist. Über unseren Zielhafen braut sich inzwischen ein Regenschauer zusammen, so dass wir beschließen, noch einmal kehrt zu machen und zu warten, bis sich der Regen verzogen hat. Die Taktik funktioniert und wir kommen ohne nass zu werden, bis vor dem Hafen Airisto. Es sind Liegeplätze frei, wir bergen die Segel und laufen ein. Es ist 18.00 Uhr, als wir fest sind.

Die Hafengebühr wird bezahlt, der Anleger serviert und der Saunagang vorbereitet. Inzwischen scheint die Sonne in voller Pracht und verspricht einen schönen Abend…

26.07.2020       Airisto nach Lotholma             31,5 sm

Das Barometer ist im Aufwärtstrend und dementsprechend lacht uns die Sonne bereits am Morgen an. Um 08.00 Uhr frühstücken wir und erledigen anschließend die übliche Morgenroutine.

Der Wind hat bereits ein wenig aufgefrischt und wir besprechen unser Ablegemanöver. Um 09.45 Uhr legen wir ab.

Wir machen Klar Deck und setzen gleich hinter dem letzten Steg die Genua. Heute sind wir überwiegend mit Raumschot- und mit Halbwindkurs unterwegs, unser Kurs führt uns in Anbetracht des Wetters Richtung Norden. Wir segeln durch schmale Sunde und haben auch mal ein Stück offenes Wasser vor uns.

Unsere Geschwindigkeit liegt zwischen 7,7 Knoten und 3,2 Knoten, je nachdem, wie der Windeinfall innerhalb der vielen Inseln ist. Gegen 15.00 Uhr sind wir vor der Inselwelt von Kustavi. Bei Laupunen gehen wir in den nächsten Sund und sind vier Seemeilen später nach dem Passieren der engen Einfahrt von Lotholma fest in einer beschaulichen und geschützten Bucht.

Es ist 16.00 Uhr, wir haben kein Liegeplatzproblem und nach dem Check In geht das SUP ins Wasser und der Badespaß kann beginnen…

27.07.2020       Lootholma nach Mossala       31,0 sm

Der Himmel ist bezogen und es sieht nach einem wolkigen Tag mit Regenschauern aus. Wir frühstücken, machen uns klar zum Ablegen und gehen noch einmal zur Rezeption (Hafenamt) für ein Wettergespräch und dem Check der Mails und der Wetterberichte. Ein auflösendes Tief bringt heute noch einmal Regen in überschaubarer Menge. Dazu weht ein frischer Wind aus Südost mit Trend auf Süd.

Es ist 10.15 Uhr, als wir ablegen. Wir haben Seitenwind von schräg hinten, was sicherlich nicht so günstig ist. Die Vorleine wird gefiert, dazu kommt der Rückwärtsgang unserer Maschine zum Eindampfen in die Vorleine und die Muringleine wird auf der Winsch soweit dicht geholt, das wir ohne Probleme den Muringhaken ausklinken können und nicht nach Lee verdriften.

Es klappt, unsere Bootsnachbarn brauchen nicht helfend eingreifen, wir sind frei von der Boje und klaren an Deck auf.

Wir passieren die schmale Ausfahrt in den Sund, motoren noch dreieinhalb Seemeilen südwärts gegen den Wind und können bei Laupunen wieder die Genua setzen.

Bei Wind aus Südsüdost können wir hoch am Wind Richtung Süden segeln. Wieder ist das Tagesziel nicht bekannt, da wir segeln wollen. Der vorgesehene Kurs geht Richtung der Ålands, da der Wind jedoch weiter auf Süd dreht, entscheiden wir uns für eine andere, segelbare Richtung. Unser Kurs geht wieder ostwärts. Mit einigen Kreuzschlägen kommen wir gut an Keistiö vorbei und segeln weiter Richtung Osten. Inzwischen hat der Regen zugeschlagen, das stört uns aber wenig, da ein Ende des Regens vorhersehbar ist. Der Wind hat nachgelassen, wir setzen das Großsegel und sind weiterhin gut unterwegs. Bis zu 8,5 Knoten zeigt unsere Logge.

Gegen 15.00 Uhr entscheiden wir uns für unseren Zielhafen Mossala. Für mich ist das wieder mal ein neuer Hafen und wir sind gespannt. Wir können fast bis vor den Steg segeln, müssen nur einmal in der Bucht zwischen Makram und Kirmo auf der Insel Åvensor den Motor mitlaufen lassen, da der Wind in der Abdeckung gegen Null tendiert.

In dieser Bucht scheint auch ein guten Anker- und Felsliegeplatz zu sein, da bereits mehrere andere Yachten hier festgemacht haben. Gegen 17.30 Uhr bergen wir die Segel in Sichtweite des Steges und legen an. Einige finnische Yachten liegen schon hier, Platz ist noch genug vorhanden und die Ruhe und Idylle des Platzes wird später nur kurzzeitig durch eine Fähre unterbunden.

Inzwischen haben sich auch die Wolken verzogen, der Regen ist nur noch am Horizont zu ahnen und die Sonne hat die Hoheit übernommen…

28.07.2020       Mossala nach Enklinge über Lappo   29,5 sm

Uns war eine ruhige Nacht beschert und das setzt sich am Morgen fort, kein Wind, Sonne und ein glattes Meer. Somit beginnt der Tag mit einem Bad im Meer. Anschließend frühstücken wir und legen ab.

Noch in Sichtweite des Steges wird die Genua gesetzt und wir sind wieder raumschots unterwegs. Es ist 09.30 Uhr. Mit zwei bis zweieinhalb Knoten segeln wir durch die Inselwelt. Später luven wir an und setzen das Großsegel dazu. Inzwischen hat der Wind auch ein wenig zugelegt und wir sind wieder gut unterwegs.

Unser erstes Ziel heute ist Lappo in den Ålands. Wir wechseln die Gastlandflagge und sind um 15.00 Uhr in Lappo fest.

Wir machen einen kurzen Landgang in den örtlichen „Supermarkt“ und ergänzen unsere Vorräte. Um 15.50 Uhr legen wir wieder ab.

Erneut werden die Segel gesetzt und wir gehen auf Westkurs. Wir können bis in die Bucht von Enklinge segeln. Dort bergen wir die Segel und machen am Steg und der Heckboje fest. Es ist 18.00 Uhr, der Anleger schmeckt und wir bereiten uns auf den Abend vor. Zunächst geht der Skipper wieder baden und setzt gleichzeitig eine zweite Heckleine auf einer weiteren Boje. Damit sind wir sicher gegen den auflandigen Wind. Anschließend bereiten wir einen kleinen Grillabend vor und richten uns an Land in netter Umgebung ein.

Später kommt der Hafenmeister. Es gibt einen kleinen Smalltalk, Freude über das Wiedersehen und seine Frage, wo die anderen deutschen Yachten bleiben. Inzwischen waren nur drei deutsche und sechs schwedische Yachten hier, ansonsten nur die einheimischen Yachten. Die Hafengebühr wird cashless bezahlt und eine Bestätigungsmail auf das Handy folgt sogleich.

Später gehen wir an Bord und setzen unsere Leine so, dass wir für die Nacht ausreichend Abstand zum Steg haben. In der Nacht nimmt der Wind immer mehr zu und eine Gewitterfront zieht durch. Es ist 03.00 Uhr, als plötzlich unsere Steghalterung für die Bugleinen bricht und wir nur noch am „seidenen“ Faden am Bug fest sind. Der Wind kommt zum Glück fast direkt von hinten, so das nur die Reste der Holzbefestigung mit unseren Leinen vor uns im Wasser schwimmen. Ich habe dieses Geräusch gehört und war sofort an Deck. Die Crew wurde geweckt, ich bin ins Wasser gestiegen und zum Steg geschwommen und wir haben die Reste der Holzbefestigung geborgen, unsere Leinen klariert und neu gesetzt. Nachdem ich an Bord war, haben wir alles noch einmal kontrolliert und sind wieder in die Koje gegangen. Irgendwann war die Front durch, es wurde ruhig und als wir am Morgen gegen 08.00 Uhr wach wurden, war es windstill und ruhig auf dem Wasser…

29.07.2020       Enklinge nach Kastelhom        41,5 sm

Etwas müde wird das Frühstück vorbereitet, doch der gute Kaffee vertreibt die Restmüdigkeit der vergangenen Nacht. An Bord ist alles o.k. und der Hafenmeister meint später: „zum Glück ist Euch nichts passiert, alles andere ist nebensächlich“.

Gegen 10.00 Uhr machen wir unseren obligatorischen Fahrradausflug nach Hermas, der alten bäuerlichen Siedlung mit vielen Einblicken in das Leben auf dieser Inselwelt im vergangenen Jahrhundert.

Um 11.30 Uhr legen wir ab. Der Wind soll auf Südwest bis West drehen. Wir haben beschlossen, Segeln nach dem Wind und mal schauen, wo wir ankommen. Wir setzen die Segel und kreuzen auf gegen Westen.

Ein längeres Kartenstudium findet einen Weg durch die Schärenwelt, welcher fast komplett absegelbar ist bei unserem westlichen Wind und so beschließen wir, nach Bommarsund oder Kastelholm zu segeln. Im Laufe des Tages nimmt der Wind erneut zu. Über Funk kommen wieder Galewarnings. So fällt die Entscheidung, nach Kastelholm zu segeln, da in dieser Marina mehr Windschutz vorhanden ist. Eine Seemeile vor Kastelholm bergen wir die Segel und fahren langsam durch den schmalen und flachen Fjord bis zur Marina. Der Hafenmeister empfängt uns am Steg und weist uns einen super Liegeplatz zu.

Es ist 20.00 Uhr, als alle Leinen fest sind. Es windet böig, die Sonne scheint zwischen vielen Wolken hindurch und am Horizont sieht der Himmel ähnlich wie gestern Abend aus.

Nach dem Abendessen gibt es noch einige Schritte an Land und dann fordert auch die Müdigkeit nach einem langen und vielschichtigen Tag ihren Tribut…

30.07.2020       Kastelholm Hafentag

Der Wetterbericht sagt wenig bis gar keinen Wind voraus. So entscheiden wir uns für einen Hafentag, zumal es in Kastelholm einiges zu besichtigen gibt. Der Vormittag gehört der Festung Kastelholm, welche in der Geschichte der Inseln seit 1388 immer wieder eine entscheidende Rolle gespielt hat. Heute kann die Festung besichtigt werden und dazu natürlich auch das Freilichtmuseum Jan Karls Gården, wo die Lebensgewohnheiten auf den Ålands im 19.Jahrhundert anschaulich präsentiert werden.

Nachmittags sind wir mit dem Fahrrad in das benachbarte Bommarsund gefahren und haben uns die Reste der Festung Bommarsund angeschaut, welche 1829 durch russische Truppen als westlicher Außenposten begonnen wurde zu erbauen.

1854 verbündeten sich die Franzosen mit den Engländern im Krimkrieg und griffen die Festung Bommarsund an.

Nach ihrem Sieg wurde die Festung fast komplett durch die Alliierten zerstört und spielt im Zuge des Pariser Friedens von 1856 eine wichtige Rolle, da hier erstmals die Demilitarisierung der Ålands festgeschrieben wurde, welche bis heute Gültigkeit hat…

Wir haben einen sehr geschichtsträchtigen Hafentag hinter uns, der sich aber auch gelohnt hat. Soll keiner sagen, Segeln bildet nicht…

31.07.2020       Kastelholm nach Mariehamn              26,0 sm

Ein kleines Tief ist durchgezogen und steht ursächlich für den heutigen nördlichen Wind. Diese Windrichtung ist genau das Richtige für unseren Kurs nach Mariehamn.

Um 09.00 Uhr verabschieden wir uns von Kastelholm und legen ab. Nach dem Aufklaren an Deck wird die Genua gesetzt und wir sind wieder unterwegs.

Um 11.00 Uhr wollen wir vor dem Lemströmskanal sein, um die stündlichen Brückenöffnung mitzunehmen. Der Wind ist böig und bringt uns gut voran. Wir können bis kurz vor die Kanaleinfahrt segeln und sind zehn Minuten vor der Zeit dort.

Die Brücke öffnet pünktlich. Wir passieren mit zwei anderen Yachten den Kanal und die Brücke. Anschließend wird wieder die Genua gesetzt. Mariehamn kommt in Sicht und wir segeln Ostufer der Halbinsel südwärts. Als wir die Südspitze erreicht haben, können wir anluven und noch einige Meilen in das westliche Archipel hineinsegeln. Um 13.10 Uhr starten wir den Motor und bergen die Genua. Der Zeitpunkt ist genau richtig abgepasst, da wir jetzt das Spektakel die Fähren in aller Ruhe beobachten können.

Es treffen sich an der schmalsten Stelle vor Mariehamn die beiden auslaufenden mit den beiden einlaufenden Fähren. Da möchte man mit einem Sportboot nicht dazwischen sein.

Wir genießen diesen Anblick und laufen danach in Mariehamn ein. Um 14.35 Uhr sind wir fest. Der letzte Anleger für diese Woche wird getrunken, klar Deck gemacht und eingecheckt und danach „gehört“ Mariehamn und die „Pommern“ der Crew…

Wieder ist eine Törnwoche zu Ende. Abends werden wir gemütlich in der Hauptstadt der Ålands essen gehen und vielleicht nach dem Plaudern über die Highlights dieser abwechslungsreichen Woche auch Pläne für die Zukunft schmieden…

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