17.05.-25.05.2019

17.05.2019

Bereits am Freitag abend bin ich nach Wiek auf Rügen gereist, um an Bord den ersten Check In zu machen und unsere Yacht erneut für die lange Segelreise zu übernehmen. Wie immer sieht es  nach den Einräumen der Ausrüstung noch ein wenig chaotisch aus, jedoch wird in den nächsten Stunden alles seinen Platz an Bord finden.

Am späten Abend dann noch einmal der Blick über den Wieker Hafen. Eine eigenartige Stimmung und Stille liegt über dem Booten und macht Lust auf viele laue Sommerabende im Cockpit…

18.05.2019

Der Morgen beginnt mit dickem Nebel im Hafen. Irgendwann schafft die Sonne das fast Unmögliche und der Tag gewinnt merklich an Sommercharakter. Der Blick aus dem Niedergang verspricht gegen Mittag schönstes Sonnenwetter.

Die letzten Vorbereitung für den Törn sind am Laufen und so langsam nimmt das Projekt Rund Ostsee 2019 Gestalt an.

Am frühen Nachmittag ist die Crew eingetroffen. Ein erstes Kennenlernen und die Begrüßung an Bord werden durch den Creweinkauf komplettiert. Dann folgt die Einweisung in die Yacht und den Törn.

Der erste Abend wird in Wiek im Restaurant in gemütlicher Runde begonnen. Anschließend checken wir das Wetter und machen Pläne für den nächsten Tag. Doch davon morgen mehr…

19.05.2019

Das Reisefieber steckt in der Crew und lässt uns am frühen Morgen schon aktiv in den Tag starten. Doch der Blick aus dem Niedergang bremst den Elan gewaltig – Nebel…

Wir frühstücken in aller Ruhe. Nach dem Aufklaren an Bord besprechen wir noch einmal mögliche Alternativen. Dann schauen wir uns unser Segeltuch an und prüfen alle notwendigen Leinen. Gegen 11.30 Uhr steht die Entscheidung fest – wir laufen aus – Kurs Ostsee. Der Nebel lichtet sich und die Sonne lacht am Himmel.

Abschied von Wiek/Rügen

Nach ca. 2 h  das Erwachen aus dem Traum eines schönen Segeltages. Wir haben die Tonne Hiddensee hinter uns gelassen und steuern wieder in ein großes Nebelfeld hinein. Ab jetzt beginnt die Radar-Fahrt und Kompass steuern in den grauen Horizont, der sich dicht vor dem Bug abzeichnet. Das Ganze geht bis vor Sassnitz. Wir fahren entlang einer der schönsten Ostseeküsten und können sie nicht sehen…

Vor Sassnitz taucht dann aus dem Nebel noch der Bagger auf, der die Hafeneinfahrt wieder auf die nötige Tiefe und Breite bringt und so sind wir gegen 19.45 Uhr im Stadthafen Sassnitz fest. 40 sm stehen auf der Logge und die Crew ist geschafft, die frische Luft und der stundenlange Nebel ermüden schnell.

Wir melden uns an, finden noch einen Platz für ein ausgiebiges Abendessen und sind dann doch recht früh in der Koje verschwunden.

Das Wetter am Montag ist noch etwas undurchsichtig, so dass wir beschlossen haben, zunächst einmal auszuschlafen um dann später eine Entscheidung zu treffen…

20.05.2019

Die Sonne weckt uns am Morgen, das Frühstück schmeckt und zunächst werden erst einmal einige Besorgungen erledigt.

Der Wettercheck danach und das Ergebnis der Crewberatung führt zu der Entscheidung, auszulaufen, Kurs Swinemünde. Um 11.15 Uhr legen wir ab. Noch im Hafen setzen wir erstmalig die Segel und gehen auf Kurs. 30 Minuten später geht das Radar wieder an, die Sicht beträgt ca. 100 m und wir bergen die Segel.

Wieder geht es in die Radarfahrt. Gegen 15.00 Uhr klart es auf. Sofort werden Groß und Fock gesetzt und endlich können wir einen längeren Schlag segeln.

Inzwischen haben wir über NAVTEX eine Wetterwarnung bekommen, Böen mit 7 Bft und Gewitterwarnung. Gegen 17.30 Uhr hat sich der Himmel so verändert, das wir die Segel bergen und uns mental auf das bevorstehende Gewitter einstellen.

Kurze Zeit später, schon 2 sm vor Swinemünde nahe der Schifffahrtsstraße beginnt es zu Schauern und Blitz und Donner folgen. Wir gehen auf Gegenkurs und beschließen, das Gewitter draußen abzuwettern, weil in Swinemünde scheinbar die Welt untergeht. 20 min später passiert uns einlaufend ein Fischkutter. Wir heften uns an seine Fersen erneut mit Kurs auf Swinemünde. Inzwischen ist das Gewitter nördlich und südlich von uns und hinterläßt vielfältige Eindrücke. Der Himmel klart im Osten bereits auf und so kommen wir zwischen den Fronten mit viel Regen in die Einfahrt zwischen den Molen. Dann ist der Spuk vorbei. Fest in Swinemünde sind wir um 19.20 Uhr. 47 sm stehen auf dem Tacho und wir sind zufrieden über den mit vielen Eindrücken gespickten Tag. Der Anleger schmeckt, das Abendessen steht auf dem Herd und die Heizung läuft zum Trocknen unserer Segelsachen…

21.05.2019

Ein schöner sonniger Morgen und gute Aussichten auf das Wetter. Wir frühstücken und sind um 10.00 Uhr ablegebereit. Die Leine werden eingeholt und schon sind wir wieder unterwegs.

Im Seekanal ist noch etwas Schiffsverkehr,

doch dann hat uns die Ostsee wieder. Und neben der Windstille auch der Nebel…

Unser Talisman begleitet uns wie auf jeder Reise gemütlich im Kielwasser.

Gegen 15.00 Uhr ist alles dann wieder klar und wir können ein Paar Meilen bei einer leichten Brise segeln. Im Interesse unserer Ankunftszeit bergen wir später wieder die Segel und fahren die letzten Meilen bis Kolberg mit Maschine.

Um 19.50 Uhr sind wir fest in der neuen Marina.

Check in beim Bootsmann des Hafen und dann schnell in den Ort, um noch etwas zum Abendessen zu bekommen. Das ist auch kein Problem, die polnische Gastfreundschaft ist hinreißend…

Anschließend bummeln wir noch ein wenig durch das Seebad und genießen den Abend.

22.05.2019

Der morgendliche Blick aus dem Cockpit ist zunächst ernüchternd – Nebel. Doch relativ schnell scheint es aufzuklaren und wir machen uns bereit zum Auslaufen. Vorher noch einmal der Blick auf die aktuelle Sperrgebietslage – Nr. 6 und 6 b sind komplett gesperrt (täglich bis Freitag von 06.00 bis 24.00 Uhr), dazu kommt noch eine Sicherheitszone, welche noch einmal ca. 12 sm weiter nach Norden gelagert ist. Wir setzen unseren Kurs auf die Sperrgebietsecke von 6b ab, verabschieden uns und legen ab.

Bei schönstem Wetter laufen wir aus. Hinter der Mole setzen wir die Segel und gehen auf Nordostkurs in die vor uns liegende diesige See. Zwei weitere Segelyachten folgen der Küste Richtung Darlewo. Irgendwann verlieren wir sie außer Sicht. Inzwischen ist unser Segelkurs wieder zum Radarkurs geworden. Das ganze Seegebiet ist frei und so segeln wir weiter. In Höhe der Sperrgebietsecke (unserem ersten Wegpunkt) haben wir Radarkontakt. Wir weichen aus und der Kontakt folgt uns immer dezent ca. 1 sm vor dem Bug. Also Funkkontakt herstellen. Es meldet sich die Polnische Marine und macht uns darauf aufmerksam, das wir den Kurs entlang der Sicherheitszone verändern sollen. Das macht noch einmal einen Umweg von ca. 40 sm aus, so dass wir uns auf Grund des immer noch vorhandenen Nebels für Darlewo entscheiden. Um 16.30 Uhr gehen wir also auf 150°. Zweieinhalb Stunden später liegt Darlewo voraus. Die Sicht beträgt ca. 100 m. Wir bergen die Segel und machen eine Radareinfahrt in die schmale Hafeneinfahrt von Darlewo. Der Hafenmeister hat uns bereits erwartet.

Wir machen vor der Brücke fest, plaudern ein wenig mit dem Hafenmeister und gehen dann um 20.00 Uhr durch die geöffnete Fußgängerbrücke in die neue moderne Marina Darlewo.

46 sm liegen hinter uns. Wir sind geschafft, aber auch froh, dass der ereignisreiche Tag hier in Darlewo einen guten Abschluß findet. Abendessen an Bord und noch ein Glas Wein, so klingt der Abend aus…

23.05.2019

Wir schlafen aus und machen Frühstück um 09.00 Uhr. Heute ist erst einmal Hafentag, da das Sperrgebiet und der aufkommende Wind die Weiterfahrt etwas einschränken.

Die Crew erkundet das berühmte Rügenwalde, hinzu kommen eine Reihe von Steggesprächen mit anderen Crews der deutschen Yachten, welche ebenfalls Richtung Osten weiter wollen. Die verschiedensten Optionen werden beraten. Wir entscheiden uns auf Grund der Wetterlage sowie unseres Zeitplanes für ein Auslaufen um 22.45 Uhr, um durch die Brücke von Darlewo Richtung Ostsee und weiter mit Kurs Ost durch das von 24.00 Uhr bis 06.00 Uhr offene Sperrgebiet zu fahren. Vorbereitungen auf die Nachtfahrt werden getroffen und so sind wir um 22.30 Uhr bereit zum Ablegen.

Insgesamt gehen vier Yachten Richtung Ostsee. Wir wollen alle das Zeitfenster der offenen Sperrgebeite nutzen.

Das Wetter ist moderat, wenig Wind aus Nordwest und ein wenig alte Dünung vom Tage. Um 23.00 Uhr passieren wir die Brücke von Darlewo und laufen aus. Der Gedanke an Segeln wird durch den schwachen Raumschotwind sogleich verworfen. Also Maschine auf 6,0 Knoten eingestellt und Kurs entlang der Küste Richtung Osten.

Um 24.00 Uhr sind wir auf See. Unsere Position lautet 54°30,9’N 016°24,7’E. Vor uns liegen die besagten Sperrgebiete.

24.05.2019

Es wird ein entspannte und geruhsame Fahrt, welche nur kurzzeitig durch ein Paar Fischer vor Ustka etwas abwechslungsreicher wird. Ein schöner Sonnenaufgang und der Rhythmus der Wacheinteilung bestimmen das Bordleben.

Gegen 13.00 Uhr laufen wir in Wladyslawowo ein, um sicherheitshalber nachzutanken, da wir noch keine Erfahrungen mit unserer Tankanzeige haben. Der Versuch nachzutanken fällt aus, da keine Tankstelle vorhanden. So laufen wir wieder aus, setzen erstmals am heutigen Tag die Segel und folgen der Küste der Halbinsel Hel weiter Richtung Osten. Irgendwann am Nachmittag geht der Wind auf Null und wir legen die letzten Meilen erneut unter Motor zurück. Um 18.45 Uhr sind wir fest in Hel. 105,5 sm stehen auf der Logge.

Die Marina ist übersichtlich gefüllt, ein Liegeplatz kein Problem, natürlich gibt es keine Tankstelle, aber das Ambiente des Ortes passt. Wir bummeln noch ein wenig und genießen ein schönes Abendessen mit Blick auf die Danziger Bucht…

25.05.2019

Heute beginnt unser Tag etwas früher. Um 06.30 Uhr wird geweckt. Es folgt das Frühstück und pünktlich um 08.00 Uhr legen wir ab. Unser Ziel ist Danzig, das erste Etappenziel unserer Reise. Gleich hinter der Hafenausfahrt setzen wir die Segel, holen die Schoten dicht und gehen auf Kurs.

Es werden schnelle 12 sm bis vor die Molen der Einfahrt nach Danzig.

Segel bergen, ein wenig aufpassen, da uns ein Pulk an Seglern für eine Regatta entgegen kommt und dann laufen wir ein.

Wir passieren die Westerplatte, dippen selbstverständlich unsere Nationalflagge und passieren später das beeindruckende Werftgelände der Weltmetropole.

Natürlich gibt es hier eine Tankstelle und wir nutzen die Gelegenheit zum Bunkern.

Frisch aufgetankt , laufen wir in die Altstadt Danzig ein und finden einen Liegeplatz direkt vor dem berühmten Krantor der alten Hansestadt.

Der letzte Anleger wird zelebriert, noch einmal ein kurzes Resümee der Reise gezogen und dann heißt es auch schon Abschied nehmen. Es stehen 307 sm im Logbuch, gespickt mit vielfältigen Eindrücken und Erlebnissen.

Crewwechsel und Großreinschiff für den Skipper sind die nächsten Themen, bevor es anschließend den obligatorischen Landeinfall in der wunderschönen Stadt gibt…

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