16.06. bis 23.06.

16.06.2018

Hafentage in Riga.

Gestern habe ich die Zeit genutzt, unsere „Mona Lisa“ für die kommenden Törnabschnitte vorzubereiten, Reinschiff, Yachtcheck und kleine Reparaturen. Am Nachmittag folgte notwendige Büroarbeit, um anschließend in den wohlverdienten Feierabend zu gehen und Riga zu genießen…

Heute ist Crewwechsel. Nachdem wir komplett sind und die Begrüßung an Bord vollzogen ist, gibt es die Creweinweisung sowie den notwendigen Einkauf für die kommenden Tage. Nach einem Wettercheck besprechen wir die ersten möglichen Etappenziele und widmen uns dann anschließend noch einmal dem bezaubernden Riga.

17.06.2018

Um lange Strecken zu Segeln, ist frühes Aufstehen angesagt. So stehen wir am Sonntagmorgen um 06.30 Uhr auf und frühstücken.

Danach noch ein kurzes Klarschiff und um 08.00 Uhr legen wir ab. Zunächst folgen wir dem Lauf der Daugava und passieren gegen 09.00 Uhr die Molenköpfe von Riga.

Kurs 330° und Wind aus östlicher Richtung mit 2 bis 4 Knoten. Motoren ist angesagt, der Autopilot arbeitet zuverlässig und wir sind unterwegs.  Gegen 16.00 Uhr am Nachmittag haben wir dann Wind.

So können wir die letzten Meilen bis zu unserem Zielhafen segeln.

Vor der Mole von Ruhnu bergen wir die Segel und laufen ein. Um 19.00 Uhr sind wir fest. Die Stimmung der Insel und des Hafens nimmt uns sofort gefangen. Deutschland hat zwar seinen WM-Auftakt verspielt, aber wir sind auf Ruhnu und was will man mehr.

Im Logbuch stehen 58,0 sm, die Sauna ist angeheizt und der Hafenmeister hat sich über das Wiedersehen gefreut…

18.06.2018

Der Blick auf das Wetter lässt uns zu der Entscheidung kommen, heute noch viele Meilen Richtung Nordwesten gut zu machen, damit wir im weiteren Verlauf der Woche die Westwindlage ausnutzen können und entspannt das Saaremaa-Archipel für uns entdecken. Ich verabschiede mich von Priit, dem entspannten und freundlichen Hafenmeister von Ruhnu, nicht ohne dem Versprechen, spätestens in einem Jahr wieder vorbei zu schauen.

Um 09.20 Uhr legen wir ab. Gleich hinter der Mole setzen wir die Segel und sind unterwegs. Wir runden die Insel südlich und gehen anschließend auf Am-Wind-Kurs. Mit ein paar kurzen Kreuzschlägen segeln wir uns von dem vorgelagerten Flachwassergebiet frei und gehen aus Nordwestkurs. Der Wind weht mit 3 bis 4 Windstärken aus westlicher Richtung und wir sind gut unterwegs. Leider können wir die gewünschte Höhe nicht anliegen und kreuzen am Nachmittag bei zunehmenden Wind Richtung Westen. Wir passieren das Robbenschutzgebiet der Inseln Allirahu und Tombamaa und haben das Glück, neugierig beobachtet zu werden.

Vor der Insel Abruka bergen wir die Segel und laufen ein. Viele freie Liegeplätze und eine beschauliche Insel erwarten uns. Unser Logbuch endet heute um 19.00 Uhr mit 50 gesegelten Seemeilen und lediglich 2 Motormeilen für die Hafenansteuerung. Wir gehen noch einige Schritte an Land und genießen einen schönen Abend im Windschatten der Insel im Cockpit mit Blick auf einen farbenprächtigen Sonnenuntergang…

19.06.2018

Am Morgen ein komplett verändertes Bild der Wetterlage. Der Himmel ist bewölkt, Regentropfen an den Fenstern und ein böiger Wind pfeift durch den Hafen.

Wir frühstücken und checken noch einmal die Aussichten für die kommenden Tage. Trotz des zunehmenden Windes werden wir nach Kuressaare verholen. Um 09.50 Uhr legen wir ab. Gleich hinter der Mole kommt die gereffte Genua zum Einsatz und mit Rauschefahrt geht es Richtung Kuressaare.

In den Windböen haben wir bereits 35 Knoten und es soll noch mehr werden. Nach 4 Seemeilen bergen wir die Genua und motoren zur Ansteuerungstonne Kuressaare, um danach in die spannende schmale, lange und flache Einfahrt einzulaufen.

Im Hafen werden wir bereits erwartet und erhalten einen den Windbedingungen (inzwischen eine gute 6) entsprechenden Liegeplatz. Wir dürfen längsseits an den Steg und müssen uns nicht mit den ausliegenden Moringbojen befassen. Um 11.45 Uhr sind wir fest. Tiefe Wolken und Regenschauer prägen das Bild beim Anlegen, unser Logbuch verzeichnet 9 Seemeilen Tagesetappe. Die Begrüßung durch den Hafenmeister ist wie stets hier im Balticum, freundlich und mit einer schönen Herzlichkeit, so dass der Wetterumschwung eigentlich schon fast vergessen ist. Wir zelebrieren unseren Anleger und verschwinden vor dem Regen im Hafencafe für eine gemütliche Tasse Kaffee und ein gutes Stück Kuchen.

Am Nachmittag klart es wieder auf und die Sonne lockt zu einem ersten Landgang in der Hauptstadt des Saaremaa-Archipels…

20.06.2018

Hafentag in Kuressaare. Eigentlich wollten wir nach einem vormittäglichen Einkauf weiter in Richtung Osten und den Westwind ausnutzen, um nach Koiguste zu segeln. Dann kam jedoch alles anders. Viel Wind, Wetteraussichten, welche nicht so rosig sind und einige spannende Ereignisse, welche uns von einer Weiterfahrt abgeraten haben. Zunächst haben wir tatkräftig einem Segelkameraden geholfen, einen Wassereinbruch auf seiner Yacht in den Griff zu bekommen. Während dessen ist eine andere Yacht ausgelaufen und hat sich gleich hinter der Hafenausfahrt festgefahren. Diese Signale haben wir zum Anlass genommen, den heutigen Tag lieber im Hafen zu bleiben. So ist also ein Hafentag in Kuressaare.

Abend haben wir einen gemütlichen Grillabend an Bord gemacht und in kleiner Runde noch einmal diese außergewöhnliche Tagesereignisse Revue passieren lassen. Der Abend endet früh, da wir morgen einen langen Schlag nach Kihnu machen wollen.

21.06.2018

Heute ist kalendarischer Sommeranfang. Das Wetter sieht nicht so aus. Wir stehen 05.30 Uhr auf, frühstücken und verabschieden wir uns von Kuressaare. Um 07.10 Uhr sind wir unterwegs. Regen und diesiges Wetter wechseln sich ab und der Wind zeigt sich auch nicht von seiner besten Seite. Zwei Stunden später können wir endlich die Genua setzen.

Der Regen hat aufgehört und eine frische Brise kommt aus West.  Raumschotkurs und gute 6 Knoten bringen uns voran. Das geht so bis ca. 14.30 Uhr, dann rollt die Dünung schneller als der Wind. Also wieder mit der ARAL-Fock weiter und Kurs Kihnu. Ab und zu scheint jedoch die Sonne durch ein Wolkenloch und so ist die Stimmung an Bord entspannt und auf den Kurs konzentriert. Wir passieren Kihnu südlich und laufen auf den geschützten Hafen zu. Der Wetterbericht hat bis jetzt gepasst, von weiterem Regen sind wir bisher verschont.

Kihnu ist das Eiland der Frauen und so werden wir standesgemäß durch die Hafenmeisterin begrüßt. 60,5 sm stehen im Logbuch, es ist 18.30 Uhr und wir nutzen nach einem guten Abendessen an Bord die Gelegenheit für einen kleinen Ausflug an Land…

22.06.2018

Das vorherrschende Tiefdruckgebiet hat das mit dem Sommeranfang noch nicht so richtig begriffen. Im Golf von Riga zeichnet DMI und weitere Wetterdienste stürmische Winde aus Südwest bis West und das den ganzen Tag. Dazu kommen ausgiebige Niederschläge, welche die regionale Landwirtschaft sicherlich dringend benötigt. Also alles gut. Für uns heißt das kurz und bündig – Hafentag auf Kihnu. Es liegen drei Yachten im Hafen und alle sind sich einig – ausschlafen, frühstücken, Regenzeug an und die Insel entdecken. Das wird auch unser Programm und so sind wir zwischen den Regenschauern beim örtlichen Kaufmann, am Grillimbiss, im Kihnu-Museum und last but not least im Rock – Cafe Kihnu.

Ein schöner und interessanter Tag mit vielen netten Eindrücken und etwas mehr Verständnis für das Leben auf einer estnischen Insel mitten im Meer.

Zum Abend klingt der Wind dann wie angesagt ab, wir sitzen im Cockpit und planen unseren morgigen Törn nach Pärnu. Natürlich müssen wir pünktlich sein, wenn Schweden dann gegen Deutschland aufläuft, wollen wir vor einem Fernseher sitzen…

23.06.2018

In Estland weiß man was sich gehört. Zum Siegestag sowie zum Johannesfest scheint natürlich die Sonne. Ein schöner Morgen begrüßt uns. Es weht ein lauer Wind aus Südwest, genau richtig für unseren Segeltörn nach Pärnu. Nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns vom gastfreundlichen Kihnu. Es ist 09.30 Uhr, als wir die Leinen lösen.

Gleich hinter der Hafenmole setzen wir die Genua und sind zunächst einmal vor dem Wind auf nördlichen Kursen entlang der Sandbank nördlich Kihnu unterwegs.

Später setzen wir das Großsegel dazu und schon geht es mit über 7 Knoten Richtung Pärnubucht. Leider müssen wir dort das Großsegel wieder bergen, da erneut ein Vorwindkurs anliegt. Jedoch sind 5 Knoten über Grund auch nicht so schlecht für einen sonnigen Segeltag mit einem 3-er Wind.

Der günstige Wind führt uns bis vor dem Steg des Pärnuer Yachtclubs, wo wir am Gastliegesteg einen Platz finden. Wir werden bereits von Segelfreunden erwartet, welche uns beim Anlegen an der Mooringboje behilflich sind. Es ist 14.20 Uhr, im Logbuch stehen 23,5 sm und die Sonne scheint. Jetzt steht dem Fußballspiel am Spätnachmittag nichts mehr im Wege…

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