11.08. bis 18.08.

11.08.2018

Erneut findet ein Crewwechsel statt, damit wie üblich natürlich auch der entsprechende Yachtcheck, das Klar Schiff und der Einkauf. Da ein Teil der Crew an Bord bleibt, nutzt sie die gewonnen Zeit, um Nynäshamn und Umgebung zu entdecken. Der Skipper beschäftigt sich inzwischen mit der bevorstehenden Passage des Götakanals.

Abends ist die neue Crew komplett. Das erste gemeinsame Abendessen an Bord, die Einweisung in die Yacht und die Sicherheit sowie der Wettercheck sind unsere Themen des Abends. Hinzu kommt das bevorstehende Wetter. Von Süden kommt ein Sturmtief und es gibt verschiedene Prognosen und Vorhersagen. Wir vertagen unsere Entscheidung über die bevorstehende Überfahrt nach Mem auf Sonntagmorgen.

12.08.2018

Um 06.00 Uhr klingelt der Wecker.

Während die Crew aufsteht, checkt der Skipper das Wetter. Die Entscheidung fällt – auslaufen und Kurs durch die Schären vor Öxelosund. Das heißt bei auffrischendem Westwind zunächst zwar motoren, aber wir sind auf der sicheren Seite und können unser Törnziel Mem auf jeden Fall erreichen. Um 07.45 Uhr legen wir ab.

Der angesagte Regen ist schon durch und der Starkwind hat noch nicht eingesetzt. Unter Motor geht es durch die schmale Durchfahrt oberhalb von Landsort, weiter vorbei an Askö, Langön und Ringsön Richtung Öxelosund.

Nach 30 Seemeilen können wir die Genua setzen.

Inzwischen haben wir böigen 5-6er Westwind und sind gut Richtung Süden nach Arkösund unterwegs.

Hoch am Wind können wir Arkösund passieren und noch weit in den Sund Richtung Mem hinein segeln. Um 17.00 Uhr bergen wir die Genua.

Es sind noch gute 12 Seemeilen bis Mem. Um 19.00 Uhr sind wir fest in Mem. Wir liegen im Unterwasser und recherchieren die Gegebenheiten.

Morgen um 09.00 Uhr ist das Kanalbüro geöffnet und wir werden die spannende Passage durch den Göta Kanal beginnen. Zunächst einmal gibt es jedoch Abendessen, nach einem langen Tag auf See und anschließend werden wir die erste Schleuse unserer bevorstehenden Reise begutachten…

13.08.2018

Um 07.00 Uhr ist Wecken. Einige von uns nutzen die Gelegenheit der Morgensonne für ein Bad im Meer. Danach gibt es Frühstück. Pünktlich um 09.00 Uhr öffnet das Kanalbüro und wir melden uns für die Kanalpassage an. Es folgt eine kurze Einweisung für uns. Wieder an Bord, machen wir klar zum Ablegen und bereiten unsere Yacht auf die erste Schleusung vor.

Wir sind die Einzigen, welche heute Morgen in Mem starten und das macht das ganze sehr entspannt. Kurze Zeit später sind wir 3,0 m höher und haben unser erstes Schleusenabenteuer gut gemeistert.

In Söderköping machen wir einen Einkaufstopp und fahren gegen Mittag weiter. Ab jetzt sind wir zu Zweit unterwegs. Eine norwegische Motoryacht (47 Fuß) begleitet uns jetzt bis zu unserem heutigen Zielhafen Berg. Es wird eng in der Schleuse, aber mit Ruhe, Gelassenheit und Fingerspitzengefühl passen die beiden großen Schiffe immer wieder rein in die nur 30 m langen Kammern und so geht es fast routinemäßig durch wunderbaren alte Schleusen, traumhafte Landschaften und spiegelglattes Wasser. Unsere schwedischen Schleusenwärter sind freundlich und hilfsbereit. Um 16.55 Uhr passieren wir die letzte Brücke des heutigen Tages in Norsholm. Dann fahren wir durch den See Roxen, jedoch der Gedanke an Segeln wird von einer spiegelglatten Wasseroberfläche verworfen. Um 19.00 Uhr sind wir im Unterwasser unserer nächsten Herausforderung angekommen, in Berg.

Vor uns liegt die berühmte Schleusentreppe mit 7 Schleusen am Stück, das ist jedoch die Aufgabe für Morgen.

Heute sind es 15 Schleusen geworden, wir haben 33,5 Höhenmeter überwunden und einen wunderbaren Tag im Göta Kanal erlebt.

Das Abendessen schmeckt, das abendliche Bier ist wohlverdient und die Schleusentreppe lädt auf jeden Fall noch zu einer Besichtigung von Land aus ein…

14.08.2018

Der Tage beginnt mit Motorengeräusch. Wir können gegen 07.15 Uhr nur noch sehen, wie die „Wilhelm Than“ das untere Schleusentor  in Richtung Roxen passiert. Es beginnt leicht zu regnen, somit kann das morgendlichen Bad ausfallen und wird durch eine frische Dusche ersetzt. Wir frühstücken gegen 08.30 Uhr. Danach geht alles sehr schnell.

Eigentlich sollten wir erst 10.30 Uhr in die Schleuse einlaufen, aber die abwärtsgehende Motoryacht war wohl auf Rekordzeiten aus.

Um 09.50 Uhr haben wir abgelegt und sind fest in der ersten von sieben Schleusen der gewaltigen Schleusentreppe.

Dann geht es Schlag auf Schlag.

Nach den ersten sieben Schleusen folgen zwei Doppelkammerschleusen im Abstand von je 300 m und eine weitere im Abstand von 700 m.

Insgesamt 15 Schleusen machen wir so in den ersten drei Stunden. Die Crew prägt dabei unteranderen folgende prägnante Redewendungen:

Bergsteigen für Yachten…

oder

jetzt sind 700m Pause…

Danach folgt eine längere Kanalphase mit einigen Brücken, bevor wir dann in Borensberg die letzte Schleuse vor dem See Boren passieren, eine handbediente Schleuse.

Inzwischen ist es 16.00 Uhr und wir fahren auf den See Boren. Unklar ist, ob wir an der nächsten Schleusentreppe in Borenshult noch bedient werden. Schließlich ist um 18.00 Uhr im Kanal Feierabend. Gemeinsam mit der zweiten Konvoiyacht erreichen wir die Schleusentreppe gegen 17.15 Uhr. Wir werden nicht nur freundlich empfangen, sondern auch noch gerne in das Oberwasser geschleust.

Um 18.30 Uhr sind wir im Oberwasser der 5-stufigen Schleusentreppe Borenshult fest.

Es war erneut ein sehr intensiver, abwechslungsreicher und schöner Tag, auch wenn es lange geregnet hat. Wir haben heute 21 Schleusen passiert und über 55 Höhenmeter absolviert. Es stehen noch zwei Schleusen vor uns, bevor wir auf dem Viken mit 91,8 m den höchsten Punkt unserer Reise erreicht haben. Morgen wollen wir zunächst jedoch den Tag entspannt angehen. Vor uns liegt Motala, die Wiege des Göta Kanals, auf jeden Fall einen Besuch wert, sowie der See Vättern, welcher zu den größten Seen Europas zählt. Unser abendliches Ziel wird Karlsborg sein, wo wir ab Donnerstag in die Nach- und somit Vorbestellsaison gehen. Das heißt dann Konvoifahrt und unsere Anmeldung wurde heute bestätigt.

15.08.2018

Da wir um  09.00 Uhr starten wollten, gab es erneut zu 07.30 Uhr Frühstück. Dann folgt das Klarschiff machen und wir starten den Motor. In diesem Moment kommt eines der berühmten Göta Kanal Schiffe, MS „Diana“, um die Ecke.

Wir entscheiden uns schnell, die Chance zu nutzen und mal als Touristen die Abwärtsschleusung zu beobachten. Es ist schon spannend, mal aus anderer Perspektive ein für diese Schleusen sehr großes Schiff bei dem Prozedere des Schleusens zu beobachten.

So legen wir erst um 09.50 Uhr ab, um 10 Minuten später wieder anzulegen.

Wir sind am Kanalmuseum und wollen natürlich auch dieses Museum besichtigen. Eine Stunde später sind wieder unterwegs.

Wir passieren die Grabstelle des Kanalerbauers Baltzar von Platen und legen kurze Zeit später nach dem Passieren dreier Brücken und der Schleuse Motala wieder direkt vor dem Gebäude der Kanalverwaltung in Motala an.

Es folgt eine kleine Stadtbesichtigung mit Creweinkauf und Eis essen, bevor wir um 13.00 Uhr wieder ablegen. Wir fahren auf den fünftgrößten See Europas, den Vättern und nehmen Kurs auf Vadstena, einer historisch geprägten Stadt mit einem Schloss von König Vasa und einem alten Kloster der Heilige Brigitta.

Wir liegen direkt vor den Gemäuern des mächtigen Vadstena Schlosses im Burggraben und nutzen die Gelegenheit für einen weiteren Landausflug.

Um 15.30 Uhr sind wir wieder unterwegs, Kurs auf Karlsborg, unserer letzten Station für unsere heutige Reise. Wir wollen den letzten Brückenzug noch mitnehmen, damit wir eine gute Ausgangslage für unseren morgigen Konvoi haben. Außerdem gib es hier alle Serviceeinrichtungen, welche ein Segler so benötigt.

Rechtzeitig vor Brückenöffnung sind wir da. Die Brücke öffnet pünktlich und 100 m später sind wir fest in Karlsborg am Gästesteg…

16.08.2018

Erneut lautet unsere Startzeit 09.00 Uhr. Dann beginnt der Konvoi in der Bestellsaison. Also gibt es wieder ein frühes Frühstück.

Wir nutzen die Gelegenheit und tanken unsere Yacht auch noch einmal voll. Um 09.00 Uhr legen wir ab. Wir sind das dritte Schiff in der Gruppe und fahren in aller Ruhe in Richtung Forsvik.

Dort ist die älteste Schleuse des Kanals und wir haben den Höhepunkt unserer Reise nach der Schleusung erreicht – 91,8 m über dem Meeresspiegel. Hinter Forsvik folgen einige spannende und schmale Kanalabschnitte.

Wir passieren die Engstellen von Billströmmen und den Spetsnäskanalen, bevor wir auf den See Viken kommen.

Dort haben wir zwar Wind, jedoch passen Kurs und Windrichtung nicht überein und die Konvoifahrt hat dazu noch Vorrang. Bei Tätorp am anderen Ende des Viken ist wieder eine kleine Schleuse, diesmal jedoch abwärts. Wir haben den Scheitelpunkt des Kanals passiert.

Ab hier fahren wir bergab und durch schöne Landschaften Mittelschwedens in Richtung Vänern. Bis zu unserem heutigen Konvoiziel kommen noch einige Brücken und eine kleine Seilzugfähre. Um 14.15 Uhr erreichen wir Töreboda. Hier ist für heute Schluss. Inzwischen besteht unser Konvoi aus sechs Segelyachten und wir werden morgen um 09.00 Uhr weiterfahren.

Der Rest des Tages dient der Entspannung sowie der Entdeckung von Töreboda und Umgebung…

17.08.2018

Zweite Etappe der Konvoifahrt durch den Göta Kanal.

Wir frühstücken um 08.00 Uhr und machen uns klar zum Ablegen. Vor uns liegen weitere diverse Brücken, insgesamt 18 Schleusen bergab bis Sjötorp am Vänernsee sowie eine Talfahrt von 48,0 Höhenmetern.

Abfahrtslauf für Yachten nennen wir es, da wir gleich mit 2 Doppelschleusen und einer dreier Schleusentreppe beginnen.

Es wird insgesamt eine kurzweilige Zeit, da die Gesamtdistanz knapp 10 Seemeilen beträgt.

In der vorletzen Schleuse vor Sjötorp verabschieden wir eines unserer Crewmitglieder, welches bereits heute abreist. Die Bushaltestelle ist direkt an der Schleuse…

Um 15.30 Uhr haben wir die letzte Schleuse des Göta Kanals auslaufen passiert.

Vor uns liegt Europas drittgrößter See, der Vänern. Wir werden den Rest des heutigen Tages in Sjötorp verbringen und morgen weiterfahren über den Vänern nach Mariestad.

Die Passage durch den Göta Kanal ist Geschichte, war sehr interessant, abwechslungsreich, mit vielen Erlebnissen durchsetzt  und hat wie viele andere Segelziele unseres Baltischen Meeres Wiederholungscharakter, vielleicht mit ein wenig mehr Zeit im Gepäck, um noch intensiver in Schwedens Blaues Band einzutauchen…

Einfahrt in den Göta Kanal – die erste Schleuse in Sjötorp…

18.08.2018

Gestern Abend noch die Überraschung des Tages – Start des Rockfestivals Sjötrop. Mehrere Bands aus Schweden widmen sich dieses Wochenende dem Thema 50-er und 60-er und der gestrige Start ca. 50 m neben unserem Liegeplatz war musikalisch nicht so schlecht…

Unabhängig davon gab es heute früh um 08.00 Uhr Frühstück an Bord. Es weht bereits eine leichte Brise und es scheint die Sonne. Die Wetterlage für die kommenden Stunden ist jedoch nicht ganz so sonnig. Um 09.20 Uhr legen wir ab. Ein letzter Blick zurück auf die letzte Schleuse unseres Göta Kanaltrips und vor uns der Vänern.

Hinter der Ausfahrt setzen wir die Segel, Groß bereits im zweiten Reff und die volle Genua. Inzwischen weht der Wind bereits mit 16 Knoten. Unser Kurs ist zunächst raumschots, bevor wir vier Seemeilen später am Leuchtfeuer Marpilen anluven. Der Wind weht aus Südwest und hat inzwischen 20 Knoten und in Böen mehr. Das mit dem zweiten Reff hat sich jetzt der Crew erschlossen.

Mit 7,5 bis 8 Knoten rauschen wir jetzt am Wind durch den Vänern. Nach fünf Tagen Kanalfahrt auch ein schönes Erlebnis. Inzwischen konnte der Skipper Kontakt mit einem alten Segelfreund aufnehmen, welche wenige Meilen entfernt am Ankerplatz übernachtet hat.

Ab heute wollen wir zusammen die Rückfahrt Richtung Deutschland antreten, zuvor jedoch noch einige Tage auf diesem wunderschönen See verbringen.

Durch den Brömmosundet motoren wir, bevor wir wieder auf Ostkurs gehen und noch einmal die Genua setzen. Mariestad ist bereits in Sicht und kurz vor Mariestad bergen wir die Genau. Im Hafen finden wir ohne Probleme einen Liegeplatz.

Der Wind ist inzwischen sehr böig unterwegs. Kaum fest, folgen die herzliche Begrüßung unseres Segelfreundes und eine weitere Überraschung, wir treffen noch einen weiteren Segelkameraden aus alten Zeiten, so dass die Wiedersehensfreunde doppelt so groß ist. Schon ist unser Cockpit gut gefüllt, der gemeinsame Anleger schmeckt und wie es unter Seglern so üblich ist, dreht sich alles um das Thema segeln…

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