09.06. bis 16.06.

10.06.2018

Es ist ein sonniger und wunderbarer stiller Morgen in Pavilosta, mit dem dieser Tag beginnt. Wir frühstücken und machen einen kleinen Spaziergang in den Ort. Eigentlich sollte man hier bleiben.

Aber es geht weiter. Um 11.00 Uhr machen wir seeklar und um 11.15 Uhr sind wir unterwegs.

Es weht eine leichte Brise aus Südwest und so setzen wir gleich hinter der Mole die Genua für einen Raumschotkurs. Der Wind legt zu und mit 15 Knoten Wind sind wir gut unterwegs. Wir folgen der Küste, welche schon mein Segelfreund Bernd Wagner (https://www.meilen-traeume.de/) so treffend beschrieb: schöne endlose Wälder, schöne endlose Strände, wie lange geht das noch so weiter.

Zwei Stunden später wird der Wind etwas weniger und dreht leicht Richtung Westen. Wir setzen das Großsegel und nutzen somit noch einmal die Chance, Strecke zu machen.

Ca. 7 Seemeilen vor Ventspils schläft der Wind dann ein. Wir bergen die Segel und motoren die letzten Meilen Richtung abendliches Ziel. Um 17.45 Uhr melde ich uns bei Ventspils Port an und 30 Minuten später sind wir fest. (Logge 35,5 sm Tagestrip)

Ein Willkommensgruß durch den Hafenmeister, das Schiff hafenklar machen, die guten Duschanlagen nutzen und später dann mit alten und neuen Bekannten den Abend im kleinen Kiosk am Hafen bei gutem Gegrillten und einem Bier in harmonischer Runde verbringen…

11.06.2018

Wir frühstücken um 09.00 Uhr gemeinsam mit einem Segelfreund, welcher heute Nacht noch von Gotland gekommen ist. Natürlich freuen wir uns über das Wiedersehen und werden in den kommenden Tagen noch viel Zeit haben, über unsere Segelerlebnisse von vor zwei Jahren zu plaudern, da wir den Törnverlauf der kommenden Wochen gemeinsam gestalten wollen. Den restlichen Vormittag nutzen wir für einen kleinen Ausflug in die Stadt zum Markt und kaufen noch einiges ein.

Um 13.00 Uhr legen wir ab. Unser Ziel ist Mõntu, ein kleiner Hafen an der Südostseite der Halbinsel Sõrve Poolsaar (Saaremaa) am Eingang der Irbenstrasse. Es ist der erste Hafen, wenn man von Westen oder Süden Richtung Estland kommt. Bisher rankten sich viele Geschichten um diesen kleinen Hafen mit negativem Background, so dass viele Segler ihn ignoriert haben. Auch wir nahmen bisher immer die mindestens 80 sm von Ventspils bis Kuressaare oder Ruhnu oder Roja in Kauf, um in den Golf of Riga zu gelangen. Mit Mõntu läßt sich dieser Abschnitt in kleinere, überschaubarere Törns teilen und es ist endlich ein weiterer, sicherer Hafen auf dem Weg nach Norden hinzugekommen. Danke, Mõntu.

Zunächst können wir segeln, jedoch wird der Wind wieder schwächer und so sind wir einen Großteil der Strecke doch unter Motor unterwegs. Insgesamt werden es heute 42,5 sm, bevor wir um 21.00 Uhr in Mõntu festmachen.

Wir erfahren vom Hafenmeister, das der neue Hafen seit 10 Tagen offen ist, Duschen und WC sind neu und sehr gut und es werden weitere Serviceeinrichtungen folgen, da der Umbau noch nicht ganz abgeschlossen ist. Wir haben jedoch einen sicheren und ordentlichen Liegeplatz und freuen uns auf einen entspannten Abend fernab jeglichen Stadtgetümmels…

12.06.2018

Ein lange nicht mehr gehörtes Geräusch weckt uns am frühen Morgen. Regentropfen prasseln auf das Deck. Grund genug, sich noch einmal umzudrehen. Um 08.30 Uhr stehen wir dann auf und machen Frühstück. Der Regen hat aufgehört, ein Paar Bauleute beginnen mit ihrem Job und wir nutzen den Morgen für ein paar Schritte an Land.

Um 11.00 Uhr legen wir ab.

Der Wind kommt aus West, der Himmel ist noch bewölkt, aber die Aussichten sind gut. Auf Grund unseres Ostkurses setzen wir gleich hinter dem Hafen nur die Genua und sind gut unterwegs Richtung Ruhnu, unserem nächsten Etappenziel. Einen Großteil der Strecke sind wir alleine unterwegs, Zeit zu relaxen und das Segeln mit dem Genuss von guter Musik zu verbinden. Pink Floyd wird aufgelegt, das Schiff segelt bei gutem 4-er Wind und die Wellen wiegen uns sachte hin und her, was will das Seglerherz mehr…

An der Nordspitze von Ruhnu schläft der Wind dann ein. Leider. Motor an und so legen wir die letzten 7 Seemeilen bis zum Hafen mit Maschine zurück (ETA: 19.30 Uhr, Logbuchdistanz des Tages – 44,0 sm).

Der Hafen ist übersichtlich belegt und der Empfang wie in alten Zeiten, freundlich, zuvorkommend und entspannt.

Wir sind wieder auf Ruhnu, inmitten der Natur, wohlbehalten und zufrieden…

13.06.2018

Gestern Abend ist unser Flottillenpartner mit seiner „Olle’S Wonder“ wieder zu uns gestoßen. Es folgte ein netter Abend an Bord und es wurde natürlich viel über das Segeln in diesem Revier geplaudert.

Am Morgen frühstücken wir dann in aller Ruhe und bereiten uns für einen Landgang auf Ruhnu vor. Mückengerechte Kleidung ist trotz der warmen Temperaturen angesagt. Ruhnu überzeugt wieder einmal mit Charme und dem Gefühl, eine Zeitreise angetreten zu haben.

Insgesamt 60 Einwohner hat diese beschauliche Insel dauerhaft und es ist überall zu sehen, dass die Inselbewohner sich hier wohlfühlen und mit viel Liebe ihre Heimat gestalten.

Wir nutzen die Chance und besuchen noch den berühmten Leuchtturm von Ruhnu, welcher aus der Werkstatt das Herrn Eifel stammen soll und flüchten dann an den Strand, um dem Thema Mücken endgültig aus dem Weg zu gehen…

Am Nachmittag nehmen wir im Hafen in dem kleinen Bistro einen Mittagsimbiss ein und verabschieden uns von der Crew unseres Flottillenschiffs. Sie wollen noch auf Ruhnu bleiben und uns morgen folgen.

Um 18.00 Uhr legen wir ab. Nach dem wir die Hafenausfahrt passiert haben, setzen wir die Segel und gehen auf Südkurs. Unser nächstes Ziel ist das knapp 60 Seemeilen entfernte Riga und wir wollen das gute Wetter nutzen, um noch einmal mit einer entspannten Nachtfahrt diesen Segelabschnitt zu beenden. Der Wind ist auf unserer Seite und so genießen wir erneut einen bezaubernden Sonnenuntergang und eine laue Nacht auf See.

Unsere Mitternachtsposition lautet: 57°22,0’N 023°18,0’E . Von den zurückgelegten 26,5 sm konnten wir 26,0 sm segeln.

14.06.2018

Auf Raumschotkurs geht es weiter in Richtung Riga. Ein lauer Wind treibt uns voran.

Wir sind verzaubert von der Stimmung der Nacht – vor uns die gewohnte Dunkelheit einer Nacht und hinter uns der helle Schein der untergegangenen Sonne, welche mit ihrem Restlicht das Firmament dauerhaft erhellt.

Kurz nach 04.00 Uhr geht die Sonne wieder auf. Dann folgt der Moment, wo sich der Wind schlafen legt und so packen wir um 04.40 Uhr die Segel ein, um die verbleibenden Meilen bis Riga mit Motor zu bewältigen. Die Schiffe auf Reede sind bereits zu erkennen und die Uferlinie von Jurmala und Riga zeichnet sich am Horizont ab.

Um 07.00 Uhr passieren wir die Molenköpfe an der Mündung der Daugava.

Der Versuch, eine offene Wassertankstelle zu finden, scheitert hoffentlich an unserer frühen Einlaufzeit, so dass wir bis zum Yacht Centre Andrejosta durchfahren.

Um 08.30 Uhr sind wir fest – inmitten von Riga unweit der weltberühmten Altstadt. Ein Hafenbüro finden wir an der altvertrauten Stelle nicht mehr, aber wir sind zunächst einmal da, zelebrieren unseren Anleger und können einige Bekannte aus vorhergehenden Häfen begrüßen. Dann wird ein wenig Schlaf der vergangenen Nacht nachgeholt, ein Hafenmeister hat sich auch gefunden und Riga steht uns somit offen für die nächsten Tage…

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