15.06.-22.06.2019

15.06.2019

Crewwechsel in Tallinn. Die Sonne scheint. Die Stadt lockt mit vielen kleinen und abwechslungsreichen Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten. Alte und neue Crew nutzen dieses natürlich, um noch den einen oder anderen kleinen Eindruck mitzunehmen.

Inzwischen wird die Yacht wieder gecheckt und klar gemacht für die nächste Etappe.

Um 16.00 Uhr ist die neue Crew komplett. Es folgen die Begrüßung, Vorstellung und eine erste kurze Einweisung in die Yacht. Dann folgt der Start zum Creweinkauf. Der Skipper klärt inzwischen die Formalitäten für das Ausklarieren Richtung St. Petersburg.

Nach der Rückkehr von Creweinkauf werden die Vorräte verstaut und wir schließen den Abend mit einem guten Essen, einem Saunagang und ersten Cockpitgesprächen ab…

16.06.2019

Der Vormittag gehört noch einmal der Altstadt von Tallinn.

Um 12.00 Uhr treffen wir uns an Bord. Es folgt die Sicherheitseinweisung.

Anschließend verabschieden wir uns von Tallinn.

Wir wollen den restlichen Tag zum Segeln und Kennenlernen des Schiffes nutzen und planen, nach Naissaare zu segeln. Das mit dem Segeln schaffen wir, nur bis Naissaare kommen wir mangels Wind nicht. Nach insgesamt sieben Seemeilen sind wir vor Pirita, dem ehemaligen Olympia-Hafen der Spiele 1980.

Wir legen an und erkunden die Gegebenheiten.

Morgen früh folgt dann der Besuch beim Segelmacher mit der Hoffnung auf eine notwendige Reparatur unseres Vorsegels…

17.06.2019

Der Vormittag wird durch aktive Freizeitgestaltung der Crew gefüllt, während der Skipper das Vorsegel einer notwendigen Reparatur zuführt. Um 13.00 Uhr ist die Reparatur erledigt. Wir bauen das Vorsegel wieder an und machen seeklar.

Um 14.00 Uhr legen wir ab. Gleich hinter der Mole von Pirita setzen wir das Groß im 1.Reff und unser repariertes Vorsegel. Es wird ein schneller Am-Wind-Kurs Richtung Norden. Oberhalb der Insel Aegna gehen wir auf Ostkurs. Es folgt ein Vorwindkurs und wir sind gut unterwegs. Wir passieren die Insel Prangli im Norden und laufen dann den Hafen Kelnase auf Prangli an.

Diese schöne Insel ist ein Geheimtipp, der Hafen selbst sehr gemütlich und der Vorsaison entsprechend noch übersichtlich gefüllt. Wir gehen längsseits am Mittelsteg.

Es gefällt uns vom ersten Augenblick an. Hafenmeister besuchen, Check in , Strom legen und Anleger zelebrieren, so lauten die nächsten Aufgaben und danach gehört die Insel uns…

18.06.2019

Prangli ist auf jeden Fall einen längeren Aufenthalt wert. Wir jedoch müssen weiter, unser Ziel heißt St. Petersburg.

Daher gibt es wie gewohnt um 08.00 Uhr Frühstück an Bord. Danach folgt das Aufklaren und Seeklar machen.

Um 09.15 Uhr verabschieden wir uns von Prangli.

Heute haben wir 5-6er Westwind und so setzen wir gleich hinter der Hafenausfahrt unsere große Fock. Wir sind gut unterwegs und passieren nacheinander die verschiedensten Landzungen und kleinen Inseln auf unserem Weg nach Osten. Hinter der Insel Mohni können wir ein wenig anluven und kommen später in die Abdeckung von Vergi poolsaar.

Um 16.00 Uhr bergen wir unser Segel und laufen ein. Ein böiger Wind kommt uns entgegen, jedoch finden wir die Einfahrt in den Hafen dank der guten Informationen aus unserem Hafenhandbuch. Für die letzte ½ Seemeilen sind sogar zwei Tonnenpaare ausgelegt, welche das Steuern in der kleinen Richtfeuerlinie vereinfacht.

Mit dem Fernglas schaut die Liegeplatzsituation sehr spannend aus. Wir sind mit Abstand das größte Schiff und bei unserer Ansteuerung sind alle Plätze belegt. Das Zollboot legt kurze Zeit später ab und das ist dann auch der einzige Liegeplatz, welcher für uns aus der momentanen Situation heraus machbar ist. Mit auflandigem Wind manövrieren wir uns in die kleine Lücke an der Pier und sind fest.

Auf Nachfrage im nahen Hotel, welche auch den Hafen betreiben, erfahren wir, das wir dort liegen bleiben können. Ca. 15. Minuten hinter uns kommt eine weitere Yacht in den Hafen. Wir nehmen sie bei uns längsseits. Es weht die estnische Flagge am Heck und an Bord wird bestes Deutsch gesprochen…

Vergi lockt mit einer schönen Landschaft, einen guten Hotel und einem schönen Badestrand. Wir nutzen natürlich unseren frühen Landeinfall und gehen auf Erkundungstour…

19.06.2019

Der Wind nachgelassen, die Sonne scheint und wir nutzen die Gelegenheit erneut zu einem guten Frühstück im Cockpit.

Gestern am späten Nachmittag haben wir uns noch telefonisch bei der Estnischen Küstenwache angemeldet und um eine Ausklarierung Richtung Russland gebeten. Heute früh klingelt das Telefon und die Beamten der Küstenwache bestätigen den Termin der Ausklarierung um 10.00 Uhr.

Um 10.15 Uhr ist alles erledigt. Wir sind ausklariert und haben die notwendigen Stempel in unseren Papieren. Um 10.30 Uhr legen wir ab. Die Hafenausfahrt von Vergi ist dank der vorhandenen Navigationshilfen gut befahrbar und so kommen wir ohne Probleme ins tiefe Wasser. Wir setzen die Segel und gehen auf nordöstlichen Kurs. Unser Ziel ist der Wartepunkt westlich von Gogland für unser Einlaufen in russisches Territorium.

Drei Stunden später ist der Wind eingeschlafen. Wieder muss unser Motor helfen und wir bergen die Segel. Um 16.00 Uhr sind wir in russischen Gewässern und passieren die kleine Insel Rodsher nördlich.

Ab jetzt läuft unser Kurs wie gefordert am Rande des Hauptfahrwassers Richtung St. Petersburg. Der Versuch der Anmeldung bei der Küstenwache schlägt fehl. Weitere zwei Stunden später melde ich uns bei St. Petersburg Traffic an und bitte um Einlaufgenehmigung. Wir haben inzwischen die Südspitze Goglands passiert.

Uns wird mitgeteilt, dass wir willkommen sind und uns noch einmal bei der Küstenwache melden sollen. Dieser Kontakt kommt kurze Zeit später per Funk zustande und alles ist in Ordnung.

Um 22.05 Uhr hat der Wind wieder soweit aufgefrischt, dass wir die Segel setzen. Wir folgen dem Verlauf des Fahrwassers und halten uns von dem dichten Schiffsverkehr im Fahrwasser und den Verkehrstrennungsgebieten frei. Es wird ein schöner Segeltörn durch eine helle und klare Nacht. Um 24.00 Uhr sind wir auf 60°06,3‘ N 028°14,3’E und haben 80,5 Seemeilen zurückgelegt.

20.06.2019

Um 02.00 Uhr haben wir die Reede östlich der Insel Seskar erreicht und gehen jetzt auf Ostkurs. Die Nacht ist weiterhin mild und klar. Eine leichte Brise bringt uns mit 5 Knoten gut voran.

Der Sonnenaufgang auf See ist immer wieder beeindruckend. Der Wind ist noch auf unserer Seite und so können wir weiter Richtung Kronstadt segeln.

Das Schwächeln des morgendlichen Windes kompensieren wir später noch eine Weile mit unserem Genaker, bevor wir die letzten Meilen unter Motor Richtung Kronstadt unterwegs sind.

Um 10.10 Uhr sind wir im Fort Konstantin an der Zollpier fest. Tatiana, unser gute Seele aus Petersburg, erwartet uns bereits und unterstützt uns bei dem Prozedere der Einklarierung, welches hier etwas aufwendiger ist als in Kaliningrad.

Um 11.30 Uhr ist dann alles erledigt. Wir fahren zur Tankstelle und bunkern gleich noch einmal auf, bevor wir an unserem Liegeplatz im Fort Konstantin verholen. Tatiana ist später an Bord und es gibt noch einmal ein herzliches Willkommen. Später besprechen wir unser Besuchsprogramm für die kommenden Tage.

Der restliche Nachmittag und Abend gehört Kronstadt, der früher gesperrten und geheimnisvollen Stadt auf der Insel Kotlin. Auf historischen und gegenwärtigen Spuren der Marine Russlands wandeln wir durch die doch sehr interessante Stadt und sind vollgepackt mit unseren ersten Russlandeindrücken der Gegenwart…

Wir werden bis Montag im Fort Konstantin bleiben und von hier aus St.Petersburg für uns entdecken und natürlich auch an den Festlichkeiten der Weissen Nächte von St.Petersburg teilnehmen…

21.06.2019

Um 10.00 Uhr steht unser Kleinbus bereit. Wir machen heute eine ganz persönliche Stadtrundfahrt und Tatiana hat sich als unsere Stadtführerin bereit erklärt.

Unser erster Stopp ist in Peterhof, wo wir uns etwas Zeit nehmen, durch den beeindruckenden Park wandeln und um 11.00 Uhr den Start der berühmten Wasserspiele miterleben dürfen. Weiter geht es in das Zentrum der Weltmetropole von einem Highlight zum Nächsten…

Um 18.00 Uhr verabschieden wir uns von Tatiana, nicht ohne noch einmal herzlichen Dank zu sagen für ihr Engagement, uns ihre Heimat und ihre Stadt näher zu bringen.

Wir suchen uns ein kleines russisches Lokal, genießen das Abendessen und bummeln noch ein wenig durch das abendliche St. Petersburg, bevor wir später mit Metro und Bus nach Kranstadt zurück fahren. Ein kühles Bier oder ein Glas Wein schließen diesen eindrucksvollen Tag ab.

Morgen ist Crewwechsel und es heißt wieder einmal Abschied nehmen. Ein Teil der Crew bleibt an Bord  und wird St. Petersburg auf seine Art entdecken, während der Skipper die nächste Etappe vorbereitet und die Yacht für den Törn nach Helsinki klar macht…

weiter